Die Jungfrau im Kölner Karneval

Die Jungfrau, die auch eine geschichtliche Bedeutung für Köln hat, war ursprünglich in ein römisches Gewand gekleidet, auf dem sie eine goldene Kette trug. In der linken Hand hielt sie ein Schild mit dem Kölner Wappen und rechts einen Stab mit einer sich hoch windenden Schlange als Symbol des Fleißes.

Im Gegensatz zum Bauern, der Reich und Stadt vertritt, war die Jungfrau immer nur die Vertreterin der Stadt Köln. Man identifizierte sie in den ersten Maskenzügen sogar mit Agrippina, der Stadtgründerin, wozu sicher auch das römische Gewand beitrug. Auch heute noch ziert ein römisches Muster den Rocksaum des Jungfrauen Ornats. Die Krone der Jungfrau erinnert an die Zinnen auf der Stadtmauer. Die Krone symbolisiert die Unbezwingbarkeit der Stadt Köln, denn so lange Köln von einer Stadtmauer umgeben war, wurde die Stadt stets erfolgreich verteidigt.

Auch das Ornat der Jungfrau hat sich über viele Stationen entwickelt. Ab 1570 wird die Jungfrau auf Abbildungen immer mit Zöpfen gezeigt. Die Form des Gewands hat sich, wie auch die Krone, die anfangs sehr klein war, immer wieder etwas verändert. Mal ist der Rock weit, mal eng aber immer bodenlang. Teilweise hat er auch eine Schleppe. 1907 sind schon gepuffte Ärmel und das Schößchen am Oberteil auf Abbildungen zu sehen. Auch das Ornat der Jungfrau hat 1926 in etwa den heutigen Stil erreicht. Der vordere gestickte Rockeinsatz war allerdings anfangs noch auf weißem Grund. So haben sich alle drei Ornate ab 1926 nur noch geringfügig verändert.

Den Spiegel bekommt die Jungfrau erst ab 1993 vom Oberbürgermeister auf der Proklamation überreicht, damit sie ihre Schönheit und ihren Charme kontrollieren kann. Der Spiegel war die Idee von Oberbürgermeister Norbert Burger, weil die Jungfrau immer leer ausging, wenn der Prinz die Pritsche und der Bauer die Stadtschlüssel überreicht bekamen. Diese Insignien geben Prinz. Bauer und Jungfrau am Karnevalsdienstag dem Oberbürgermeister zurück. In die Pritsche wird der Namen des Prinzen graviert, damit man immer sieht, welche Prinzen mit dieser Pritsche das närrische Volk regiert haben.