Kleine Karnevalsgeschichte


Der Rosenmontag

Der Rosenmontag oder auf kölsch Rusemondaach (Ruse = Rosen) erinnert an den Sonntag Lätare, den Rosensonntag, der in Köln seit dem 16. Jahrhundert als halbfasten gefeiert wurde. An diesem Tag, der Mitte der Fastenzeit, lebte die Erinnerung an den vergangenen Karneval noch einmal auf.

Der Tag war als Nachfeier des Karnevals gedacht, speziell für diesen Tag geschriebene Lätarelieder bezeugen das. Das strenge Büßen und Fasten wurde für einen Tag unterbrochen. Es durfte nach Herzenslust gegessen, gesungen und gefeiert werden. Der Rosensonntag hieß auch Mittfasten. Die Farbe der liturgischen Gewänder in der katholischen Kirche war an diesem Tag nicht wie üblich violett, sondern rosa. In Rom weihte der Papst am Sonntag eine mit Moschus und Balsam gefüllte Rose, die in einer Prozession durch die Straßen getragen wurde.

Als der Karneval 1823 reformiert wurde, hat man erst einmal das Lätarefest übernommen und noch bis 1832 beibehalten. Danach trat dann der Name Rosenmontag als Mittfastnachtstag in den Sprachgebrauch, denn die Hauptkarnevalstage waren von Karnevalssonntag bis Karnevalsdienstag. Aus dem Mittfastnachtstag wurde der Rosenmontag und aus dem Maskenzug der Rosenmontagszug.

Öfters ist auch zu lesen, Rosenmontag sei von rasen abzuleiten, aber dies ist nicht richtig. Erstens finden sich hierfür keine schriftlichen Beweise, zweitens würde der Kölner dann nicht Rusemondaach sagen, denn rasen heißt auf kölsch “rose”.

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Die Weiberfastnacht

Die Weiberfastnacht – von Nonnen, Möhnen, Marktfrauen und warum Männer an diesem Tag keine Krawatten tragen.

Schon im Mittelalter wurde in den Kölner Klöstern am Donnerstag vor Fastnacht die sogenannte Pfaffenfastnacht gefeiert. Besonders in den Nonnenklöstern muß es hoch hergegangen sein. Aus dem Benediktinerkloster St.Mauritius wird vom Karneval 1729 berichtet, dass man die Fastnacht in voller Lust gefeiert hätte, und alle Nonnen seien verkleidet gewesen. Am Tag wurde getanzt und gesprungen und des Nachts, als die Äbtissin schlafen gegangen war, wurde bei Kaffee und Tee Karten und Dame gespielt.

Die Pfaffenfastnacht verschwand mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee 1794 in Köln, als alle Klöster aufgelöst wurden.

Auch auf den Straßen Kölns wurde von den Frauen Weiberfastnacht gefeiert, besonders von der Marktfrauen auf dem Altermarkt. Die Frauen rissen sich gegenseitig die Mützen und Hüte vom Kopf. Das Ganze nannte man “Mötzebestot” (kölsch für “Mützenbestapelung”). Der Hintersinn dieses Brauchs liegt in der Bedeutung des Sprichworts “unter die Haube bringen”. Eine Tochter “unter die Haube bringen” heißt, sie zu verheiraten oder ins Kloster zu geben. Dieser Brauch hielt sich etwa bis gegen 1890.

Nach der Aufhebung der Märkte auf dem Kölner Alter Markt in den 1930er Jahren versuchte man dem Fest eine mehr offizielle Note zu geben, indem man die Flagge des Prinzen auf dem Rathausturm hisste, als Zeichen für die Eröffnung des Straßenkarnevals.

Nach dem Krieg wollte man unter den völlig gewandelten Voraussetzungen die Feier neu gestalten. In der Großmarkthalle an der Bonner Straße eröffnete 1950 das Dreigestirn erstmals die Weiberfastnacht. Auf Grund der Sicherheitsbedenken gegenüber der völlig überfüllten Halle mußte diese Veranstaltung schon 1953 wieder aufgegeben werden. Seitdem veranstalteten die Altstädter (ein Traditionskorps des Kölner Karnevals) auf dem Alter Markt eine öffentliche Straßensitzung, die auch vom Dreigestirn besucht wird. Der Alter Markt ist dabei regelmäßig so voller Menschen, dass die Zugänge von der Polizei abgesperrt werden müssen.

Nachtrag zum “Krawattenabschneiden”: Der Brauch, dass die Frauen den Männern an Weiberfastnacht die Krawatten abschneiden (um zu zeigen, dass sie an diesem Tag das Sagen haben), soll erst kurz nach 1945 Verbreitung gefunden haben. Allerdings ist schon seit einiger Zeit ein starkes Abflauen zu bemerken, was vielleicht daran liegt, dass kaum noch Männer an diesem Tag eine Krawatte tragen.

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Die Geschichte des Karnevals

Von den Römern und den Germanen, übers Mittelalter in die Franzosenzeit bis zur Gründung des “Festordnenden Comités” im Jahre 1823

Die römische Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium hatte als Hauptstadt der Provinz Niedergermaniens u.a. die Aufgabe, die kulturelle Überlegenheit des römischen Reiches nach außen zu dokumentieren. So war die Stadt von Anfang an weltoffen. Bis Skandinavien und weit in das rechtsrheinische germanische Gebiet bestanden wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen. Aus Italien strömten Besucher aller Art nach Köln (Soldaten, Händler, Gewerbetreibende usw.), die zum Teil hier sesshaft wurden. Durch die Fremden kamen kulturelle Einflüsse aus dem fernen Süden. Osten und Norden in die römische Kolonie am Rhein. So ist es nicht verwunderlich, dass im römischen Köln auch Gottheiten verehrt wurden, die aus dem keltischen, germanischen und griechisch-orientalischen Kulturkreis kamen. So bunt gemischt wie die Einwohner waren, so bunt gemischt war auch die Götterverehrung.

Als Kolonie hatte Köln das Recht, die gleichen Feste zu feiern wie Rom. Dazu gehörte unter anderem das Fest der Saturnalien, das vom 17. – 19. Dezember gefeiert wurde (meistens dehnte es sich sogar eine ganze Woche aus). Es war ein bedeutendes Freudenfest der antiken Welt und sollte an die Zeit der Herrschaft des Gottes Saturn erinnern, in der es noch keine Sklaven gab. An diesen Tagen war es nicht erlaubt etwas Ernsthaftes oder Wichtiges zu tun. Die Arbeit in der ganzen Stadt ruhte und die Schulen blieben geschlossen. Alle waren fröhlich, lärmten, tranken, sangen, tanzten, spielten und scherzten. Männer und Frauen, Herren und Sklaven tauschten die Kleidung. Die freien Bürger bewirteten an diesen Tagen die Sklaven. Das Fest der Saturnalien, an dem die streng geübte Hierarchie ins Gegenteil gekehrt wurde, war eine Art Karneval der antiken Welt.

Die Römer veranstalteten an diesem Tag auch einen Umzug, in dem hier in Köln ein Schiffskarren mitgeführt wurde, der carrus navalis. Von diesem kultischen Schiffskarren leitet sich vermutlich das Wort Karneval ab. Dieser Schiffskarren war ein kunstvoll gezimmertes Schiff, das auf einem Wagen gezogen wurde. Es war in grellbunten Farben bemalt und es wurden Figuren der Göttinnen Isis und Nerthus darauf mitgeführt. Isis wurde als ägyptische Göttin der Fruchtbarkeit und des Todes verehrt und Nerthus als germanische Fruchtbarkeitsgöttin. Die Römer taten sich mit dem ägyptischen Isiskult etwas schwer, daher haben sie ihn mit dem Gott Saturn verbunden. Wie die römische Mythologie behauptet, brachte der Gott Saturn mit seiner milden Herrschaft den Menschen Freiheit und Glückseligkeit.

Der Schiffskarren mit Isis und Nerthus wurde von verkleideten und lärmenden Menschen begleitet, sowie von einer aufreizenden Musik von Handpauken, Zimbeln, Flöten und Rasseln. Vielleicht sollte damit der Tod verbannt oder verscheucht werden, denn der Göttin Isis sagte man eine magische Kraft zum Reich der Toten nach. Hier wurde mit Übermut gegen den Tod gekämpft. Durch dieses Fest wurde der Lebenswille der Römer gewaltig gesteigert.

Die Saturnalien wurden noch bis ins 4. Jahrhundert gefeiert. Durch griechischen Einfluss wurde aus dem Fest allerdings mehr und mehr ein Karnevalstreiben. Der Isiskult verband sich später mit dem Kaiserkult. Unter Kaiser Konstantin wurde das Christentum (343) zur Staatsreligion ernannt. Von da ab vermischten sich allmählich heidnische und christliche Bräuche miteinander.

Im keltisch-germanischen Kulturraum war das Frühjahr die Zeit der Vertreibung böswilliger Winterdämonen. Mit Lärm und Feuer rückte man gegen sie aus. Unter der Maske von Bock, Hirsch und Bär, die den Fruchtbarkeitsgottheiten heilig waren, wurde der Winter ausgepeitscht. Der christlichen Welt war dieses “Teufelswerk” fremd, darum ordnete sie den Karneval der Liturgie des Kirchenjahres unter. Der Karneval bekam nun einen tieferen Sinn, weil er vor den Beginn der Fastenzeit gelegt wurde. Trotzdem ist in der christlichen Fastnacht bis heute ein heidnischer Anklang spürbar geblieben, wie z.B. das Tragen von Masken, das Zechen, Lärmen und Umhertollen. Im Mittelalter versuchte die Kirche mehr und mehr diese alten Bräuche zu verdrängen. Köln war schließlich Bischofssitz, und die Kirche hatte einen starken Einfluss auf das Leben in der Stadt.

Im Mittelalter war der Fastabend sehr wörtlich zu nehmen, als der Abend vor der großen Fastenzeit. Erst im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte dehnte sich das Fest aus. Das Fastnachtstreiben nahm dann im Laufe der Zeit offensichtlich unliebsame Formen an. Nicht nur, dass die Stadt nicht mehr gewillt war Zuschüsse für das Fest zu zahlen (städt. Protokoll von 1341 und mehrfach danach), das Fest wurde sogar wiederholt verboten. Das Motiv für das Verbot war weniger eine gesunkene Moral, als das Streben nach Sicherheit. Die Angst, dass sich unter der Narrenkappe Diebe und Spione in die Stadt schleichen könnten, war begründet.

Auch die Kirche feierte Fastnacht, obwohl sie vielfach gegen dieses “teufliche Treiben” wetterte. So war es im Mittelalter üblich, dass im Dom und in den Stiftskirchen von der niederen Geistlichkeit ein “Narrenpapst” oder “Narrenbischof” gewählt wurde. Man ließ ihn auf einem Esel in die Kirche reiten. Es sollte die scherzhafte Umkehrung der strengen kirchlichen Hierarchie sein. Es folgte ein Lobgesang auf den Esel und ein Gottesdienst wie üblich. Hier sind Verbindungen zu den römischen Saturnalien erkennbar, wo freie Bürger und Sklaven die Rollen tauschten. Da unsere religiöse Haltung eine andere ist, als die der Menschen im Mittelalter, wäre dieser Brauch heute nicht mehr denkbar.

Die religiösen Bruderschaften veranstalteten im Mittelalter zur Fastnacht Figuralprozessionen in unterschiedlicher Verkleidung. Diese Prozessionen, in denen Männer in Frauenkleidern oftmals zu einem Ärgernis der Kirchenoberen wurden, ähnelten einer fastnachtlichen Kappenfahrt. Wiederholt wurde es den Klerikern verboten, sich zu maskieren. Diese religiösen Maskenfeste hatten jedoch auch ihre Befürworter. Im 15. Jahrhundert hieß es: “Unsere Vorfahren waren große und ehrwürdige Männer. Sie haben das Narrenfest aus weisen Gründen eingesetzt. Lasst uns leben wie sie und tuen, was sie taten.”

Es war auch die Klostergeistlichkeit, die ab dem 18.Jahrhundert am Donnerstag vor Karneval den Anfang des Fastelabends machte (siehe Abschnitt “Weiberfastnacht”).

Die Form des Karnevalsfestes wurde im Mittelalter durch die jeweils tonangebende Schicht der Gesellschaft bestimmt. Das waren ab dem 17. Jahrhundert die Zünfte, ihnen fielen die Hauptrollen im Karneval zu. Mit ihren Banden bestimmten sie das äußere Bild des Karnevals. Diese Banden waren Aufführungen, in denen sich Fastnachtsspiel und Verkleidung miteinander verbanden. Mit Tanzen und Spielen zogen die “Gesellenbanden” auf öffentliche Plätze, vor Gasthäuser und vor den Häusern der reichen Bürger auf und boten in Liedern und satirischen Szenen Begebenheiten aus ihrem Berufsleben dar und nahmen in witziger Persiflage alles aufs Korn, was Anlass zum Spott bot. Als Dank wurden sie bewirtet. Dieser Brauch geht wieder auf die Römer zurück, bei denen die Herren die Sklaven bewirteten.

Während des 18. Jahrhunderts kam es nach italienischem Vorbild zu einer Art Korso in Köln. An den Karnevalstagen versammelten sich Komödianten, Schausteller und Gaukler in der Stadt.

Von Kurfürst Clemens August ist überliefert, dass er alljährlich am Dreikönigstag ein großes Mahl abhielt und dazu Domherren, Deutschordensritter, Stiftsdamen und andere vornehme Bürger einlud. Man traf sich vermummt und in ausgelassener Freude. In Anlehnung an diese Feste am Hof des Kurfürsten fanden im 18. Jahrhundert die Redouten als vornehme Fastnachtvergnügen statt. Es waren Bälle, auf denen ein absoluter Maskenzwang bestand. Die Redouten fanden im Kölner Gürzenich statt.

1794 wurde Köln unter französische Herrschaft gestellt. Obwohl die Franzosen versicherten, nichts an den Gesetzen und Gebräuchen des Landes zu ändern, wurden Kirchen und Klöster aufgelöst und der Karneval verboten. Aber so ganz ließ sich der Karneval nicht verbieten. Er verlagerte sich vielmehr von der Straße in die Wirtshäuser, aber auch dem geboten die Franzosen Einhalt. Als sie sich dann allmählich von der Harmlosigkeit des Festes überzeugt hatten, hoben sie das Karnevalsverbot 1801 wieder auf. Da zwischenzeitlich die Zünfte abgeschafft wurden, war dem Karneval der Boden entzogen worden. Auch Revolution und Krieg hatten sich ungünstig auf das Fest ausgewirkt, so dass es teilweise ausartete.

In der Franzosenzeit häuften sich die Charaktermasken im Karneval, und es wurde verstärkt das Zeitgeschehen aufs Korn genommen. Man fand sich zu kleinen Zügen zusammen, die durch die Stadt zogen. Wer an einem dieser Züge teilnehmen wollte, musste sich bei der Armenverwaltung eine Karte kaufen. Der Erlös diente wohltätigen Zwecken. 1812 nahm sogar die französische Besatzung an den Zügen teil. Neigten sich die Fastnachttage dem Ende zu, wurde die Zeremonie des “Begrabens” vollzogen. Es bildete sich ein Trauerzug mit Trompetenbegleitung (siehe Nubbelverbrennung).

1815 kamen die Preußen nach Köln. Köln wurde wieder eine deutsche Stadt und von den Rheinlanden annektiert. Die Preußen erlaubten den Karneval erst einmal, trotz einer immer bedrohlicher werdenden Verrohung. Es machten sich hemmungslose Ausschweifung und Rüpelhaftigkeit breit. So wurde unter der Maske der Narrheit viel Unfug getrieben und viele Masken waren unmoralisch und taktlos. Das Fest war zu einem wüsten Durcheinander ausgeartet. Darum war zu befürchten, dass die Preußen den Karneval verbieten würden. Die Kölner taten sich ohnehin schwer mit den preußischen Begriffen von Disziplin und Ordnung, die sie mit ihrer Lebenseinstellung nicht in Einklang bringen konnten. Der Kölner ist ein Mensch, der nie untertan gewesen ist und auf Maßnahmen, die seiner Auffassung von Freiheit widersprechen, reagiert er mir Ironie. Eine Tatsache, die die Preußen verärgerte.

Aus diesem Grund ergriffen einige Männer der geistigen und wirtschaftlichen Oberschicht die Initiative. Sie reformierten den Karneval im romantischen Sinne und organisierten ihn neu. Man gab dem Fest den Helden Karneval als Mittelpunkt, an dem sich das ganze Fest hochranken sollte. Man wollte die Oberschicht der Kölner Bürger für den Karneval zurück gewinnen und das Fest wieder in altem, längst vergessenem Ruhm erstrahlen lassen. Das war die Geburtsstunde des Festordnenden Comités und die Erneuerung des Karnevals in romantischem Sinne. Die Gründer des Comités waren alle noch dem reichsstädtischen Köln und dem Kaiser verbunden, und so stand der Held Karneval plötzlich im Gewand des Kaisers vor seinen Mitbürgern.

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Die Karnevals-Session

Start am 11. im 11., Proklamation, Sitzungskarneval, Straßenkarneval, die Züge

Der Karneval wird bei uns am 11. im 11. eröffnet. An diesem Tag wird das Dreigestirn der kommenden Session dem Oberbürgermeister im Rathaus und der Kölner Bevölkerung auf dem Alter Markt vorgestellt. In den einzelnen Gesellschaften werden Elfte im Elften Feiern abgehalten, die schon einen Vorgeschmack auf den kommenden Karneval bieten. So werden z.B. auch schon die Lieder der kommenden Session gemeinsam gesungen. Danach ist bis Januar Ruhe. Meistens am zweiten Januarwochenende findet die feierliche Prinzenproklamation statt, in der das neue Dreigestirn durch den Oberbürgermeister proklamiert wird, und das Dreigestirn der vergangenen Session verabschiedet wird. Danach finden täglich in fast allen Sälen der Stadt Sitzungen und karnevalistische Veranstaltungen statt, die zum großen Teil vom Dreigestirn besucht werden. Darüber hinaus werden Sitzungen in Altenheimen, Schulen und Krankenhäusern abgehalten, die auch zum überwiegenden Teil vom Dreigestirn besucht werden.

Je näher der Karneval rückt, desto mehr Besucher erscheinen im Kostüm zu den Sitzungen. Ab den letzten 2 – 3 Wochen vor Karneval beginnt die Zeit der Maskenbälle, die parallel zu den Sitzungen laufen. Weiberfastnacht wird der Straßenkarneval auf dem Alter Markt eröffnet. Jetzt verlagert sich der Karneval, obwohl auch noch Bälle und Sitzungen stattfinden, hauptsächlich auf die Straße.

Karnevalssonntag gehen die Schull- und Veedelszöch durch Köln, an denen sich alle Schulen und Gruppen, nach Voranmeldung, beteiligen können. Alle Teilnehmer tragen eigene Kostüme. Rosenmontag geht dann der Rosenmontagszug durch Köln, an dem die, dem Festkomitee angeschlossenen Karnevalsgesellschaften teilnehmen können. Der Zug steht alljährlich unter einem bestimmten Motto. Die Kostüme stellt das Festkomitee.

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Das Dreigestirn

Vom “Helden Karneval” zu Prinz Bauer und Jungfrau in heutiger Zeit

Als 1823 der Karneval neu organisiert wurde, gab man dem Fest den Helden Karneval als Mittelpunkt, der durch seine Person den Karneval verkörpern sollte, und der alljährlich am Rosenmontag seinen Siegeszug durch Köln antreten sollte. Der Held war der personifizierte Karneval. Er sollte “die Erbärmlichkeit des gewöhnlichen Treibens auf Grund seines edlen Charakters” wieder in die gewünschten Bahnen leiten und alle Missstände besiegen.Damals stand immer die Figur des Helden im Mittelpunkt und nie die Person, die den Helden verkörperte, ein Grund warum aus diesen Jahren kaum Namen überliefert sind. In den ersten Jahren der Neuordnung war die wichtigste Person neben dem Helden Karneval die Prinzessin Venetia, seine ewige Braut. Wir finden die Venetia noch etwa bis zur Jahrhundertwende im Rosenmontagszug, wenn auch zum Schluss sehr unregelmäßig. Die Venetia, die von einem Mann dargestellt wurde, verkörperte den Karneval des Südens.Das Gewand des Helden war dem des Kaisers nachgebildet, denn die Kölner liebten ihren Kaiser, dem sie als freie Reichsstadt untertänig waren, und den sie stets begeistert gefeiert hatten, wenn er Köln besuchte. Der Held trug eine goldene Krone mit einem Pfauenschweif, dem Symbol der Unsterblichkeit. Die Karnevalsmütze gab es zu der Zeit noch nicht. In der rechten Hand trug er ein Zepter, in der linken eine “Waffe”, die heutige Pritsche, die auf die Fruchtbarkeitsrute der Germanen zurück geht. Ober einem weißen Gewand mit goldener Kette trug er einen Purpurmantel mit Hermelinkragen. Aus dem Gewand des Helden wurde im Laufe der Jahre das Kostüm des Prinzen. Das heutige Prinzenkostüm ist der burgundischen Mode in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nachgearbeitet.Auch damals fand schon eine feierliche Inthronisierung des Helden statt. Er bestieg am Fastnachtsmontag seinen Thron auf dem Neumarkt, wo ihm der Ehrenwein kredenzt wurde. Dann startete der Maskenzug. Der Held fuhr in einem mit Blattgold verzierten Delphin. Dieser kostbare Wagen fuhr mehrere Jahre im Zug mit. Nach dem Krieg 1870/71 wurde aus dem Helden Karneval der Prinz Karneval. Eine Prinzenproklamation gibt es erst seit 1936.Die Kölner Jungfrau nahm schon 1823 am ersten Maskenzug teil. Sie nahm noch nicht regelmäßig am Zug teil, sondern nur, wenn sie sich ins Thema einordnen ließ. Die Jungfrau ist eine Symbolfigur und wird erstmals 1570 erwähnt. Sie symbolisiert die freie, unabhängige und keiner fremden Macht unterworfene Stadt Köln. Sie trägt eine Mauerkrone auf dem Kopf, als Zeichen der Unbesiegbarkeit der Stadt Köln. Die Kölner Jungfrau wird, bis auf zwei politisch angeordnete Ausnahmen, von einem Mann dargestellt. Die Männerrolle hat sich ohne Überlegung ergeben, da der Karneval, soweit es sich um den organisierten Karneval handelt, eine reine Männerangelegenheit war. Die traditionsbewussten Gesellschaften, die auch heute noch überwiegend das Dreigestirn stellen, haben keine Frauen als Mitglieder. Es ist also eine alte Tradition, dass Männer die Jungfrau darstellen, und mit Traditionen bricht man im Karneval nur in Notfällen, wie 1938 und 39. Außerdem steckt in der männlichen Jungfrau soviel Witz und Komik, dass man sie in Köln nicht missen möchte.Eine umstürzende Neuerung gab es 1938 und 39, die Jungfrau wurde von einer Frau dargestellt. Grund war die Partei, die Thomas Liessem, den Vorsitzenden des Festausschusses unter Druck setzte. Es gab damals einen scharfen Kampf gegen die Homosexualität. Da der Festausschuss Kölner Karneval ohnehin in der Schusslinie der NSDAP stand und man jeden Stein des Anstoßes aus dem Weg räumen musste, gab man dem Druck der Partei nach. Die Jungfrau wurde von einer Frau dargestellt. Sie wurde gemeinsam von der deutschen Arbeiterfront und dem Festausschuss ausgesucht. 1938 war es Paula Zapf, eine Angestellte der Firma Bierbaum und Proenen und 1939 Else Horion, eine Kindergärtnerin der Firma Stollwerck. Die Jungfrau wurde nach dem Krieg wieder von einem Mann verkörpert. Das hat nichts damit zu tun, dass sich die weiblichen Jungfrauen nicht bewährt hätten, oder dass die Rolle sie körperlich überfordert hätte, es war ganz einfach ein Verstoß gegen die Tradition.So wie die Kölner Jungfrau ist auch der Kölner Bauer eine Symbolfigur. Er stellt Köln als Mitglied der Reichsbauernschaft dar. Köln gehörte im Mittelalter neben Konstanz, Regensburg und Salzburg zu den vier Bauernschaften des Reiches. Darum erscheint der Kölner Bauer auch immer in Verbindung mit dem Spruch:”Halt faß am Rich do kölsche Boor, mag et falle söß ov soor”Der Kölner Bauer wird 1422 erstmals erwähnt als Schildhalter des Reiches, später wird er zum Schildhalter der Stadt. Der Bauer geht erstmals 1825 im Maskenzug mit. Auch er machte den Zug nur mit, wenn er sich ins Thema einordnen ließ. Bauer und Jungfrau waren damals unabhängig von einander und unabhängig vom Prinzen. Ab 1883 sind Bauer und Jungfrau feststehende Figuren des Kölner Karnevals, die gemeinsam mit dem Prinzen auftreten, aber bis heute getrennt von ihm im Rosenmontagszug fahren. Erst ab 1938 spricht man vom Dreigestirn. Den Hut des Bauern zieren 125 Pfauenfedern. Die Pfauenfeder ist das Symbol der Unsterblichkeit und versinnbildlicht hier die Unsterblichkeit der freien Reichsstadt Köln, die der Bauer verkörpert. Der Dreschflegel ist das Zeichen der Wehrhaftigkeit.Die Rolle des Dreigestirns hat sich unserer hektischen Zeit angepasst. Früher war der Prinz nur wenige Tage im Amt. Unser heutiges Dreigestirn steht im Durchschnitt 6 – 8 Wochen im Rampenlicht, hat bis zu 400 Auftritte zu absolvieren und wird ständig von der Presse begleitet. Aus organisatorischen Gründen wohnt das Dreigestirn ab der Proklamation gemeinsam im Hotel.

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Die Geschichte des Karnevalsorden

Mit dem organisierten Karneval begann auch die Geschichte der Karnevalsorden. Vielleicht fehlte vorher der politische Anstoß dazu. Orden gibt es schon ab 1824, aus dieser Zeit sind jedoch keine mehr vorhanden. Wir wissen aber aus alten Protokollen, dass die Prinzessin Venetia, die den Karneval des Südens vertrat, den Helden 1824 besuchte und ihm einen Orden mitbrachte. Der Held bedankte sich seinerseits mit seinem Orden.

Die Geschichte der Karnevalsorden ist eng verbunden mit den Orden der Preußen. Sie stellen eine Persiflage auf die staatlichen und militärischen Orden, Schärpen und Brustbänder dar. Auch früher trugen die Präsidenten schon viele Orden übereinander, wie uns alte Bilder zeigen.

Der Orden ist heute ein fester Bestandteil des Karnevals geworden. Ursprünglich entstand der Karnevalsorden aus einer Geringschätzung militärischen Benehmens und Pomps heraus. Damit wollte sich der Kölner, der nie untertan gewesen ist, gegen die preußische Obrigkeit auflehnen.

Schon früh stellt sich Geschichte auf Orden als Thema. Es wurden im Laufe der Zeit Themen aufgegriffen wie Politik, Stadtgeschichte, Bauten in Köln, der Rat der Stadt, Stadtpatrone, kölsches Milieu usw. Der Geschichtsorden ist ein Rückblick in die Vergangenheit. Wir finden aber auch Zeitgeschichte auf Orden, wie den Abriss der Stadtmauer, den Zeppelin, den Bau der Rheinbrücken oder jetzt den U-Bahn Bau. Bei diesen Orden tritt der Spott in den Hintergrund und die graphische Aussage in den Vordergrund.

Es werden auch große Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Karneval auf Orden dargestellt. Besonders beliebt ist dabei Willi Ostermann. Die Roten Funken stellen z.B. die mit Humor gepaarte Geschichte ihrer Gesellschaft auf ihren Orden dar, so weit es die begrenzten Möglichkeiten erlauben.

Dann gibt es den “Jeckenorden”. Hier wird vermittelt, was man landläufig als Kölner Karneval versteht, unbeschwerte Fröhlichkeit und sich über sich selber lustig machen. Der Text auf diesen Orden ist kölsch.

Es gibt auch militärische Orden, die z.B. dem Eisernen Kreuz nachempfunden sind. Hier kann keine Rede mehr von Persiflage sein. Sie stehen im krassen Gegensatz zum Jeckenorden. Vielfach werden sie von Korpsgesellschaften entworfen und sind recht humorlos. Der Ordensstern eroberte nach dem Krieg 1870/71 den Karneval und ist bis heute ein beliebtes Motiv geblieben. Vielfach wird der Versuch unternommen, dem Ordensstern durch ein Karnevalsemblem das Feierliche etwas zu nehmen.

Von den üblichen Orden unterscheiden sich die MottoOrden des Festkomitees, die Prinzenorden und die anspruchsvollen und künstlerisch wertvollen Orden des Festes in Gold, der karnevalistischen Vereinigung der Kölner Goldschmiede.

Die Verleihung des Ordens kann zum Staatsakt werden, z.B. bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. Andererseits kann die Entgegennahme des Ordens in tiefer Ehrfurcht geschehen. Jetzt wird der Orden, der als Persiflage gedacht war, nicht mehr als solche empfunden, und damit hat der Karnevalsorden seine eigentliche Bedeutung verloren.

Der Karnevalsorden ist ein begehrtes Sammelobjekt, nicht nur bei den Kölnern, auch bei den auswärtigen Sitzungsbesuchern. Das Karnevalsmuseum besitzt über 5000 Orden, von denen leider nicht alle gezeigt werden können. Darüber hinaus gibt es in Köln ein privates Museum Kölner Karnevalsorden, wo die Orden auch käuflich zu erwerben sind.

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Die Entstehung der Karnevalslieder

Ein ganz wichtiger Bestandteil des Kölner Karnevals ist das Karnevalslied. Durch gemeinsames Singen, Schunkeln und Klatschen wird eine Einheit von Sängern und Publikum hergestellt. Die Liedertexte behandeln fast alle die Geschichte Kölns und das Leben seiner Bürger. Das Karnevalslied hat in Köln eine lange Tradition. Das älteste Karnevalslied überlieferte uns die Nonne Anna von Köln 1500. Im 19. Jahrhundert nach der Reform des Karnevals wurde das Karnevalslied neu entdeckt, u.a. durch Samuel Schier, der 1823 zur Inthronisierung des Helden ein Lied schrieb, das noch viele Jahre als Eröffnungslied auf allen Sitzungen gesungen wurde. Eine berühmte Sammlung von Karnevalsliedern enthält auch das Buch “Bellen Töne” mit Liedern aus den Jahren 1823 – 34. Gemütvolle, in der ganzen Stadt gesungene und teilweise noch heute bekannte Lieder wie z.B. das “Karessellcheleed” wurden uns von Josef Roesberg überliefert. Im 20. Jahrhundert hat sich das Kölner und auch das kölsche Lied explosionsartig entfaltet. Einen unbestrittenen Höhepunkt bilden bis heute die Lieder von Willi Ostermann, die nicht mehr aus dem Karneval wegzudenken sind. Willi Ostermann: Als 1881 die Stadtmauer abgerissen wurde, und dann 1888 die große Eingemeindung vorangetrieben wurde, begann der Karneval durch die zunehmenden Einflüsse von draußen sein Eigenleben zu verlieren. Die volksnahe und typisch kölsche Bedeutung verflachte. Mit Kabarett und Varieté entstanden neue Formen des Feierns. Die Revue trat ihren Siegeszug an, und Schlager und Gassenhauer drohten das kölsche Karnevalslied zu verdrängen. Da trat Willi Ostermann in den Kölner Karneval. Der Inhalt seiner Lieder war so, dass auch der moderne Karneval in herkömmlicher Weise damit bestehen konnte. Willi Ostermann war viel mehr als nur ein Karnevalist, er hat auch echtes Volksliedgut geschaffen. Der große Durchbruch im Karneval gelang ihm 1907 mit dem Lied “Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt”. Danach bescherte er dem Karneval jedes Jahr neue Lieder mit mitreißenden Texten und Melodien. Er kannte die kölsche Seele wie nur wenige. Ostermann sprach die Sprache des Volkes. Mit seinen Liedern verdrängte er die üblen Gassenhauer und andere negative Einflüsse, die sich in den Jahren der Stadterweiterung breit machten. Er produzierte unzählige Lieder. Willi Ostermann wurde 1876 in Mülheim am Rhein geboren und starb 1936 in Köln. Er absolvierte eine Lehre als Elektriker, fand aber keinen Gefallen an dem Beruf und lernte um auf Galvanoplastiker und dann auf Druckplattengießer, bis er schließlich ganz zur Musik und auf die Bühne wechselte. Mit Willi Ostermann nahm die Geschichte des Karnevalsliedes einen neuen Beginn. Volkslieder, zu denen auch das Karnevalslied zählt, entstehen aus Volksfesten heraus. Volksfeste in Köln waren und sind Kirmes und Karneval. Die Kirmes tritt in Köln an Bedeutung hinter den Karneval zurück. Jedes Ereignis in Köln wurde und wird besungen, was schon bald dazu führte, dass es wesentlich mehr Texte als Melodien gab, zwangsläufig wurden daher viele Lieder auf die gleiche Melodie gesungen. Früher konnten die Lieder nur verbreitet werden, indem man sie dem Volk auf den Sitzungen vorstellte. Auch heute noch ist der Sitzungssaal die beste Möglichkeit die neuen Lieder bekannt zu machen, weil jeder mit singt. Heute haben aber auch die Medien und die Plattenindustrie einen erheblichen Anteil an der Popularität der neuen Lieder. Seit die Bläck Fööss den Karneval erobert haben, haben immer wieder junge Musikgruppen, durch die Einbeziehung neuer Rhythmen und Melodien, zu einer zeitgemäßen Erneuerung des Kölner Karnevalsliedes geführt

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Die Karnevalsmütze

Die Karnevalsmütze – Von der Idee eines Preußen zum geheimnisvollen “C”

Zu Beginn der Neuordnung des Karnevals 1823 waren einheitliche Karnevalsmützen noch nicht an der Tagesordnung. Die Idee dazu war noch niemand gekommen. Sie kam erst 1827 von einem Preußen, dem Generalmajor Baron von Czettritz und Neuhaus. Er nahm an einer Versammlung des Festordnenden Comités teil, um den Kölnern für ihren Maskenzug sein privates Schimmelgespann samt Prunkgeschirr, den Kutschern und Vorreitern zur Verfügung zu stellen. Das war recht ungewöhnlich, da die Kölner so ihre Schwierigkeiten mit den Preußen hatten. Noch ungewöhnlicher war die Rede des Generalmajors. Er begann: “Gleiche Brüder, gleiche Kappen, darum erlaube ich mir den Vorschlag, dass wir hierfür, als Unterscheidungszeichen der Eingeweihten ein kleines buntfarbenes Käppchen während unserer Veranstaltungen aufsetzen, um diejenigen, die hier unberufen eindringen, erkennen und nach Verdienst abweisen zu können.” Das traf die Kölner schwer, warum konnten sie nicht so eine glänzende Idee haben? Trotzdem war der Jubel groß, und man ernannte den Generalmajor zum Kölner. Die Karnevalsmütze war aus der Taufe gehoben. Heute hat jede Karnevalsgesellschaft ihre eigene Mütze, die sich in Farbe und Stickerei voneinander unterscheiden. Eingeweihten ist es so möglich, den Träger einer Gesellschaft zuzuordnen. Je mehr Straßsteinchen die Mütze aufweist, desto höher ist die Stellung innerhalb der Gesellschaft.

Die höchste Stufe ist erreicht, wenn ein C oder Halbmond die Mütze ziert. Dieses C an der Präsidentenmütze gibt es noch nicht so lange, und es entbehrt auch jeder traditionellen Vorgeschichte. Es ist einfach aufgetaucht. Hans Molitor, der vor und während des Krieges Präsident der Ehrengarde war, hat ein solches mit Straßsteinen besetztes C in einer Funduskiste des Theaters entdeckt und fand es so schön, dass er es an seine Präsidentenmütze steckte. Ferdi Leisten, sein Nachfolger im Präsidentenamt, hat das C dann übernommen. Es dauerte nicht lange, bis andere Präsidenten sich auch so ein C anfertigen ließen. Heute ziert es jede Präsidentenmütze und kaum ein Präsident weiß, wie es dahin gekommen ist.

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Die Traditionskorps

Die Traditionskorps – Spaß an d’r Freud’ in historischen Uniformen

Es gibt unterschiedliche Gesellschaften im Karneval, wie Korpsgesellschaften, Komiteegesellschaften, Veedelsvereine, Stammtischgesellschaften und Stämme. Diese verschiedenen Gesellschaften haben durchaus einen Sinn, denn sie sind notwendig, damit Menschen mit verschiedenen Interessen und Auffassungen alle im Karneval heimisch werden können.

Am bekanntesten bei den Bürgern sind die Traditionskorps, die durch ihre historischen Uniformen bestechen. Die älteste Korpsgesellschaft in Köln ist die der Roten Funken. Die Roten Funken stellen eine Persiflage auf die Kölner Stadtsoldaten dar, die 1660 in Köln als Schutztruppe aufgestellt wurden. Die Stadtsoldaten waren für die Zollkontrolle zuständig, überprüften die Passierscheine und bewachten die Zugänge zur Stadt. Irgendwelche kriegerischen Bravourleistungen sind ihnen nicht beschieden gewesen. Sehr heldenhaft waren sie auch nicht. Den Namen “Funken” erhielten sie auf Grund ihrer leuchtend roten Uniformen, die man auch im Dunkeln gut erkennen konnte. Als die Franzosen 1794 nach Köln kamen, verschwanden die Funken aus dem Stadtbild.

Die Roten Funken waren von 1823 an eine lose Gruppe im Maskenzug. Erst 1869 organisierten sie sich als Gesellschaft. Sie sind in vier Knubbel eingeteilt. Ein Knubbel ist eine Menschenansammlung. Jeder Knubbel trägt ein Symbol am Säbel. Die Funken, die früher nur einen geringen Sold bekamen, waren alle auf “Lappöhrchen” angewiesen. Daran erinnern die Symbole. Streckstrumpf = die Funken, die an den Toren Wache hielten, verdienten sich durch Strümpfe stricken etwas dazu. Öllig = das Symbol für die Funken, die in Küche und Haushalt halfen. Dilledopp = die Funken, die Kinder hüteten. Der Sektpfropfen besagt, dass alle Funken gerne ein Bier trinken, ävver nie mih, wie d’r Mage ohne Biesterei kann verdrage. So sagt es der Funkeneid.

Die Roten Funken waren immer eine Fußtruppe und wollten es auch bleiben. Als sich dann später der Wunsch nach einem Reiterkorps stellte, spalteten sich einige ab und bildeten die Funken-Artillerie Blau-Weiß oder einfacher die Blauen Funken. Sie hatten ihre Uniform nach dem Vorbild der Ansbach-Bayreuther Dragoner gewählt und bildeten eine Reiter- und eine Fußgruppe.

Die Ehrengarde trat 1902 mit List und Tücke, oder besser gesagt mit kölschem Klüngel, als Begleitgarde von Bauer und Jungfrau in den Karneval. Vorher haben die Elferräte der großen Gesellschaften Bauer und Jungfrau das Geleit gegeben, und sie waren nicht gewillt, sich von diesem Platz verdrängen zu lassen. Auch die Funken fühlten sich durch die neue Gesellschaft bedrängt. Da ging die Ehrengarde zum Angriff über, um wirklich als Ehrengarde von Bauer und Jungfrau fungieren zu können. Man wandte einen Trick an. Nach Absprache mit Bauer und Jungfrau hielt deren Wagen kurz an, als sich der Zug in Bewegung setzte, täuschte einen Achsbruch vor, und die Ehrengarde konnte sich einreihen. Diese mit Erfolg eroberte Position hat die Ehrengarde heute nach über 90 Jahren noch immer inne.
Die Uniformen erinnern an die Schillschen Offiziere (Schill preuß. General, Schlacht bei Kolberg).

Die Prinzen-Garde wurde 1906 gegründet, um dem Prinzen, dessen Bedeutung von Jahr zu Jahr gestiegen war, eine eigene Garde an die Seite zu stellen. Sie begleitet ihn von da an bis heute zu allen offiziellen Auftritten. Bei den Prinzen-Gardisten wird das Militär nicht so verulkt wie bei den Funken. Das liegt begründet in der Zeit der Entstehung. Als die Prinzen-Garde entstand, wurde Köln schon so lange von den Preußen regiert, dass man sich daran gewöhnt hatte. Andererseits wollte die Prinzen-Garde etwas Besonderes sein und kein Abklatsch. Die Uniformen kommen aus Österreich und die Helme sind friederizianisch. Die Altstädter sind aus einer Stammtischrunde entstanden. Das Korps wurde 1922 gegründet und hat schon vor dem Krieg die Weiberfastnacht auf dem Alter Markt eröffnet. Seit 1953 ist die Eröffnung mit einer Straßensitzung verbunden. Die Uniform der Altstädter ist in den kurkölnischen Farben gehalten.

Das Reiterkorps Jan von Werth erinnert an den Reitergeneral aus dem Dreißigjährigen Krieg, der sich aber auch in vielen folgenden Schlachten tapfer geschlagen hat. Jan von Werth wurde 1638 zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt. Ihm zu Ehren wurde auf dem Alter Markt ein Denkmal errichtet, und eine Kölner Straße wurde nach ihm benannt. Sein Name ist auch verbunden mit der Legende von Jan un Griet. Diese Geschichte kennt jeder Kölner, der Knecht, der um die Magd wirbt, ihr aber nicht gut genug ist.
Jan zieht dann in den Krieg, hat großen Erfolg und kehrt als Generalfeldmarschall nach Köln zurück. Er reitet durch das Severinstor in die Stadt, wo Griet an einem Stand Äpfel verkauft. Jan sagt zu ihr: “Griet, wer et hät jedon”, und sie antwortet: “Jan, wer et hät jewoß”. Diese Episode wird jedes Jahr an Weiberfastnacht von der K.G. Reiterkorps Jan von Werth am Severinstor nachgespielt. Die Kostüme sind Wallenstein Uniformen. Die Gesellschaft wurde 1925 gegründet.

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Die Entstehung der Korps und Mariechentänze

Die Entstehung der Korps und Mariechentänze und der Traum eines jeden kölschen Mädchens: Einmal Mariechen sein!

Tanzen ist ein Ausdruck der Freude und darum gehört das Tanzen auch seit eh und je zum Karneval. Die Formen des Tanzens haben sich jedoch im Laufe der Zeit gewaltig verändert. Zwischen dem anfänglichen “erdverbundenen” Tanz bis zum heutigen “fliegenden Mariechen” liegt viel Karnevalsgeschichte. Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kannte man das Funkemariechen noch nicht. Heute ist “Mariechen” zu einem Sammelbegriff geworden. Landläufig wird jedes Mädchen, das als Hauptdarstellerin einer Karnevalstanzgruppe agiert “Mariechen” gerufen. Streng genommen haben nur die Korpsgesellschaften ein Mariechen. Die Garden haben eine Regimentstochter. Die anderen Tanzgruppen haben überwiegend für ihre Tänzerinnen zur Gruppe passende Bezeichnungen wie z.B. “Kathrinchen” bei den Kammerkätzchen und Kammerdienern der Alten Kölner K.G. Schnüsse Tring, “Dannälche” bei den Schifferjungen der Großen Mülheimer K.G. oder “Staubflöckchen” bei der K.G. Original Kölsche Domputzer.

Die Entwicklung vom Exerzieren über den Korpstanz zum heutigen Mariechentanz umfasst 170 Jahre Kölner Karneval. 1823 wurde der Karneval, dessen Niveau stark gesunken war, neu organisiert. Im gleichen Jahr traten die Roten Funken als Persiflage auf die ehemaligen Stadtsoldaten in den Karneval. Sie waren damals noch eine lose Gruppe, die sich nur traf, um den Maskenzug mitzumachen.

Das Mariechen hat seinen Ursprung in der Marketenderin, wie auch heute noch das “Mariechen” des Reiterkorps Jan von Werth heißt. Die Marketenderin geht zurück auf die Söldner- und Soldatenheere im 30 jährigen Krieg. Sie begleitete damals das Heer und versorgte die Soldaten mit Schnaps (daran erinnert das Fässchen, das die Mariechen Lind Regimentstöchter am Gürtel tragen) und anderen Kleinigkeiten, die sie zum täglichen Leben brauchten.

Zu der Persiflage auf die Stadtsoldaten im Kölner Karneval gesellte sich die Persiflage auf die Marketenderin. Vom Maskenzug 1824 wird uns berichtet, dass dem Anführer des Zuges eine Ehrengarde zu Fuß, bestehend aus den Roten Funken, folgte. Daran schloss sich ein berittener Marketen-der-Weiber-Chor an, der damals selbstverständlich von Männern dargestellt wurde.

Da die Funken anfangs noch nicht gesellschaftlich organisiert waren, gab es auch noch keinen Funkentanz. In den ersten 50 Jahren ihres Bestehens trafen sie sich nur zu Exerzierübungen, zur Vorbereitung auf den Rosenmontagszug. Erst 1869 wurde aus den Roten Funken eine Karnevalsgesellschaft und 1880 bildeten sie mit Wibbeln und Stippeföttchen einen Programmpunkt auf den eigenen Sitzungen. Die Funken folgten dabei keinen festgelegten Tanzschritten, sondern nur den eigenen Einfällen.

1870 traten die Blauen Funken in den Karneval. Sie hatten sich von den Roten Funken getrennt und bildeten nun ein berittenes Korps. Mit ihnen hielt ein patriotischer Trend Einzug in den Karneval. Zu dieser Zeit wurde in den Funkenliedern die Germania besungen, von einem Mariechen war noch keine Rede.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann der Funkentanz der Roten Funken, der von einem Tanzlehrer eingeübt wurde. Der Tanzlehrer Friedrich Gosewisch, der eine eigene Tanzschule leitete, übte die Schritte und Bewegungen nach alten historischen Motiven ein. Der Tanz wurde am Rosenmontag auf dem Neumarkt erstmals öffentlich getanzt. Der Tanzlehrer ließ sein Töchterchen einige Takte vor der Gruppe tanzen. Diese Idee wurde von den Funken aufgegriffen. Von da an ging dem allgemeinen Funkentanz meist ein kleiner “Mariechentanz” voraus. Man nannte es damals “Funkentanz mit Einlage”. Diese Einlage, die von einem Mann in Frauenkleidern getanzt wurde, umfasste die ersten acht Takte des Funkentanzes. Da die Kleider des “Mariechens” bodenlang und schwer waren, waren die Tanzschritte zwangsläufig einfach und behutsam. Ab 1901 stellten sich auch die Blauen Funken zum Funkentanz auf. Sie tanzten auf den Funkenmarsch, den der preußische Stabstrompeter Reinhold Fellenberg komponierte.

1929 stellte Christian Witt, der Präsident der Roten Funken, neue Figuren für den Mariechentanz, der bis dahin unverändert geblieben war, zusammen. 1932 wurde dann mit dem Lied “Marieche, Marieche, wo es dann dinge Jung” ein neuer Mariechentanz komponiert. Jetzt wurde dem männlichen Mariechen auch ein Tanzoffizier an die Seite gestellt. Dieses Tanzpaar war Hans Honnef als Mariechen und Tanzoffizier Alois Erven. Erstes weibliches Mariechen der Roten Funken wurde 1936 Ada Pilgram.

Nun entstanden auch in den anderen Korpsgesellschaften Paartänze. 1936 gingen die Blauen Funken ebenfalls mit einem weiblichen Mariechen auf die Bühne, es war Anita Rix.

Die Ehrengarde, die 1902 gegründet wurde, war anfangs ausschließlich die Begleitgarde von Bauer und Jungfrau und wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Karnevalsgesellschaft. In dieser Zeit entstand auch das erste Tanzpaar der Ehrengarde, das 1926 mit Cläre Weiglein als Regimentstochter in den Karneval trat. Die Ehrengarde tanzte damals noch keinen Korpstanz. Bei ihr tanzten nur Mariechen und Tanzoffizier, während das Korps den Hintergrund bildete. Der Tanz, der, nicht zuletzt wegen des weiblichen Mariechens, allgemeines Aufsehen erregte, wurde von dem Ballettmeister Alexey Laiserowicz einstudiert. Die Mariechenrolle wurde jedoch schnell wieder von einem Mann übernommen, bis sie 1938 endgültig auf eine Frau überging. Es war Wally König, die mit August Beilstein tanzte.

Die Prinzen-Garde trat 1906 als Begleitgarde des Prinzen in den Karneval. Selbstverständlich hatte auch sie ihren eigenen Marsch. Den Text dazu schrieb der Mitbegründer Fritz Tholfuß. Auf diesen Marsch wurde ein gemeinsamer Korpstanz einstudiert. Später kam eine Regimentstochter dazu, die von Fritz Tholfuß jun. verkörpert wurde.

Als eines der temperamentvollsten Mariechen der damaligen Zeit wird Jean Küster beschrieben, der 1930 Mitbegründer der Lyskircher Junge war. Jean Küster tanzte 1924 als erstes Mariechen bei den 1922 gegründeten Altstädtern. 1935 hatten die Altstädter erstmals ein weibliches Mariechen mit der Tochter des Kapellmeisters Velder.

Dass in den 30er Jahren Frauen die Mariechenrolle übernahmen, hatte noch nichts mit Emanzipation zu tun. Es geschah unter dem Druck der NSDAP, die darauf bestand, dass Frauenrollen im Kölner Karneval auch von Frauen dargestellt wurden. Die Aktiven des Karnevals waren damals davon überzeugt, dass diese Rolle, die im Schwierigkeitsgrad weit von dem entfernt war, was ein Mariechen heute leistet, zu anstrengend wäre für eine Frau, und dass die Witze auf den Veranstaltungen nicht für Frauenohren geeignet wären. Man hatte sich gewaltig getäuscht, die Frauen trugen weder physischen noch psychischen Schaden davon. Im Gegenteil, das Publikum war begeistert von den wirklichen Mariechen, denn sie tanzten mit Ausstrahlung und tänzerischem Können die Männer in den Hintergrund. Die Präsidenten führten dann auch gleich eine Neuerung ein, sie “bützten” das Mariechen, und so wollte nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr zu den alten Formen zurückkehren.

Die ersten Tänze mit weiblichen Mariechen waren gegen die heutigen Tänze noch recht gemütlich. Eine entscheidende Änderung brachte gegen Ende der 50er Jahre der Ballettmeister Peter Schnitzler in die Tänze. Die Akrobatik eroberte die Karnevalsbühnen. Diese Entwicklung war nicht mehr zu bremsen. Ob die manchmal für den Zuschauer beängstigenden und halsbrecherisch anmutenden Figuren und Würfe, wie sie von manchen Tanzgruppen gezeigt werden, notwendig sind, ist nicht ganz unumstritten.

Die Korpsgesellschaften hatten bald die Grenzen ihrer Möglichkeiten erreicht, während die übrigen Tanzgruppen immer noch versuchen sich gegenseitig an Leistung zu überbieten.

Was in den Tanzkorps und Tanzgruppen heute aus Spaß an d’r Freud und Liebe zum Karneval geleistet wird, kann sich ein Außenstehender schwer vorstellen. Das ganze Jahr wird intensiv trainiert, oft zwei- bis dreimal pro Woche. In der Session sind die Jungen und Mädchen jeden Abend unterwegs, tanzen am Wochenende oft auf sechs bis acht Veranstaltungen pro Abend. Das ertanzte Geld wird ausgegeben für Ballettlehrer, Musik, Kostüme und Busfahrten zu den Auftritten. Die Tanzkorps und Tanzgruppen sind noch wirkliche Idealisten auf der Karnevalsbühne.

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Der 11. im 11. und die Jeckenzahl 11 - das Symbol der Narretei

Der Karneval beginnt im November, dem Monat der Besinnung auf Tod und Vergänglichkeit. Es klingt für ein Freudenfest unlogisch, geht jedoch zurück auf die gefühlsbedingte und zeitliche Abfolge griechischer, römischer und germanischer Traditionen, denen man auch in unseren Tagen noch teilweise folgt. Im November gedachte man der Götter, die für die Gaben des Herbstes, vornehmlich den Wein, zuständig waren. Der Kölner Karneval wurzelt auch heute noch in kultischen Bereichen, die eine lange Geschichte haben.

Es fehlte dem 11. im 11. auch nicht an einer geschichtlichen Grundlage. In der gallischen Kirche bereitete der Advent nicht auf Weihnachten, sondern auf das alte Hauptfest Epiphanie vor. Der Advent war eine Fastenzeit, die am Martinstag (11. im 11.) begann und 56 Tage dauerte.

Die Elf als Jeckenzahl entstand erst später, hat aber durch den 11. im 11. eine Verbindung von der heidnischen zur christlichen Zeit geschaffen.

Der “Elfer-Rat” ist aus dem Festordnenden Comité hervorgegangen, das sich 1823 bildete, um den Karneval neu zu organisieren. Der “Kleine Rat” umfasste zwar 1823 noch 13 Mitglieder und erweiterte sich danach auf 15 – 20 Personen. Die feste Zahl elf entwickelte sich erst langsam, bis man sich 1830 auf die Elf festgelegt hatte. Heute besteht der Elferrat einer Karnevalsgesellschaft aus 11 Vorstandsmitgliedern einschließlich des Präsidenten.

Die Feier des 11. im 11. entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als feierliche Eröffnung der beginnenden Karnevalssession. Dieser Tag ist die große Vorfeier, an der das neue Dreigestirn der Öffentlichkeit vorgestellt wird und auch die neuen Karnevalslieder erstmals gesungen werden. Die einzelnen Karnevalsgesellschaften halten 11. im 11. Feiern ab. Die größte Feier ist die der Willi-Ostermann-Gesellschaft auf dem Alter Markt. Danach ruht der Karneval bis zum 1. Januar.

Die Zahl Elf ist das Symbol der Narretei. Sie symbolisiert die Einheit im Karneval. Sie stellt die Eins neben die Eins als Zeichen der Gleichheit aller Narren. Jeder Jeck unter der Narrenkappe sollte eine selbständige und gleichberechtigte Person sein. Die Elf hat auch einen politischen Bezug. Seit der Französischen Revolution steht ELF für E = Egalite, L = Liberté und F = Fraternité (Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit). Diese Deutung ist für Köln, das lange unter französischer Besatzung lebte, maßgebend. So wurde die Elf schon fast zu einer magischen Zahl in Köln und im Karneval. Auch das Kölner Wappen weist elf Flammen auf, die allerdings auf die elftausend Jungfrauen zurückgehen.

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Karneval in den Vororten von Köln

Nach dem Krieg veränderte sich die Bevölkerungsstruktur in Köln stark. Durch die fast vollständige Zerstörung der Innenstadt gewannen die Vororte als Wohnviertel stark an Bedeutung. Durch diese Umstrukturierung verlagerte sich auch der Karneval. Vor dem Krieg spielte er sich fast nur in der Altstadt ab. In den rasch wachsenden Vororten war kaum etwas vom Karneval zu spüren. Wer Karneval feiern wollte, kam in die Stadt.

Nach dem Krieg wurden zwar die Kappenfahrten am Karnevalsdienstag wieder aufgenommen, aber sie hatten sehr an Attraktivität verloren, dadurch dass die Pferde durch Autos ersetzt wurden. So hatte der Karnevalsdienstag nur noch wenig Bedeutung. Man erklärte ihn zum Tag der Kinder, um ihm wieder einen Inhalt zu geben.

Wirklich aufgewertet haben dann die Vororte und Stadtteile den Karnevalsdienstag durch die Vorortzüge. Schon vor dem Krieg hatte die Große Kalker Karnevalsgesellschaft statt der Kappenfahrt einen Karnevalszug am Dienstag durch Kalk ziehen lassen. 1952 ließ man diesen Brauch wieder aufleben. Thomas Liessem stellte für diesen Zug, der aus 16 Gruppen bestand, drei Wagen aus dem Rosenmontagszug zur Verfügung. 1953 zogen dann auch Dienstagszüge durch Deutz und Mülheim, die, wie es jetzt in allen Stadtteilen üblich ist, Wagen aus dem Rosenmontagszug mitführen durften. Das Beispiel machte schnell in anderen Stadtteilen Schule. Überall im Stadtgebiet veranstalten heute Vorortgesellschaften Karnevalszüge, die nicht mehr unbedingt auf den Dienstag festgelegt sind. Zu diesen Umzügen schließen sich Schulen, Veedelsgruppen und Stammtische mit den ansässigen Karnevalsgesellschaften zusammen. Die Züge, die die Probleme der Vororte persiflieren, werden immer größer und immer beliebter bei der Bevölkerung, besonders bei Familien mit kleinen Kindern. Die Atmosphäre ist persönlicher als beim Rosenmontagszug. Hier sind nicht so viele fremde Besucher, man feiert noch unter sich, und man kennt viele Zugteilnehmer. Das Amt für Kölnisches Volkstum hat 1953 in Verbindung mit den Kölner Lehrern den Gedanken vom Tag der Kinder aufgegriffen. Man veranstaltete 1954 erstmals in Ehrenfeld einen Schulzug am Karnevalsdienstag, an dem sich mehr als 2.000 Kinder beteiligten. Seitdem hat der Ehrenfelder Zug von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewonnen. Heute beteiligen sich außer den Schulen auch Karnevalsgesellschaften und Veedelsvereine an diesem Zug. Einige Vororte haben ihr eigenes “Vorortdreigestirn”, was keine sehr originelle Idee ist. Dreigestirne in Stadtteilen, die erst später im Zuge der Eingemeindung zu Köln gekommen sind, haben dagegen oft eine lange Tradition und sind fester Bestandteil des Stadtteils wie z.B. in Worringen, Rodenkirchen oder Porz.

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Die Rolle der Frauen im Karneval

Ganz ohne Weiber geht die Schose nicht. Das wussten auch die Männer schon, die 1823 den Karneval neu ordneten. Es musste aber nicht gleich ein Mitspracherecht der Frauen in Männerangelegenheiten sein; und eine reine Männerangelegenheit war der organisierte Karneval nun mal. Die Organisation und Durchführung des Karnevals lag, wie es dem Geist der damaligen Zeit entsprach, ganz in den Händen der Männer. Die Frauen hatten Haus und Kinder zu hüten. Auch argumentierte man damit, dass die Witze und Liedertexte für die Frauen zu derb seien. Dadurch ergab sich zwangsläufig, dass alle Frauenrollen im Karneval von Männern übernommen wurden. Einzige Ausnahme bildeten die Hellige Knäächte un Mägde, die seit 1823 am Maskenzug teilnahmen. Sie waren jedoch damals noch keine Karnevalsgruppe.

Den Frauen war die Weiberfastnacht vorbehalten, die allerdings überwiegend auf den Märkten gefeiert wurde und nicht von den Frauen, die den gehobenen Kreisen angehörten.

Schon im vorigen Jahrhundert veranstalteten die Karnevalsgesellschaften Damenkränzchen. Das waren keine Vorläufer der Mädchensitzungen. Hier führte man die heiratsfähigen Töchter aus, und die Karnevalsgesellschaft sorgte dafür, dass genügend Offiziere eingeladen wurden, damit die Damen anschließend Tanzpartner hatten. Die Sitzungsprogramme bei den Damenkränzchen wurden in zwei Abteilungen aufgeteilt. Vor der Pause gab es eine karnevalistische Abteilung, und nach der Pause wurde ein Lustspiel aufgeführt.

1880 wurde die Kölner Narren-Zunft gegründet, die damals den neuen Zeitverhältnissen, namentlich der stärkeren Beteiligung der Frau am gesellschaftlichen Leben, dadurch Rechnung trug, dass fast alle Veranstaltungen der Zunft als Familien-Veranstaltungen aufgezogen wurden. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen der Narren-Zunft gehörten auch Damen-Comités, die als Wohltätigkeitsveranstaltungen durchgeführt wurden. Die Kölner Narren-Zunft, die stolz darauf ist, eine Familiengesellschaft zu sein, nimmt auch heute noch, wie die meisten traditionsbewussten Karnevalsgesellschaften, keine Frauen als Mitglieder auf.

Erst 1938 fand eine für den Karneval revolutionäre Neuerung statt. Es gab eine weibliche Jungfrau. Das war ein Bruch mit alten Traditionen (siehe Kapitel Dreigestirn). Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Tanzmariechen, die bis dahin Männer waren, von Frauen dargestellt. Die weiblichen Mariechen hielt man auch nach dem Krieg bei. Die Mariechen sind heute in den meisten Fällen während ihrer aktiven Zeit Mitglied der jeweiligen Gesellschaft, jedoch überwiegend ohne Stimmrecht.

Den beiden Jungfrauen der Jahre 1938/39 war es nicht möglich Mitglied einer Karnevalsgesellschaft zu werden, und sie können auch heute noch nicht Mitglied der Traditionsgemeinschaft ehemalige Prinzen, Bauern und Jungfrauen werden, da dort keine Frauen aufgenommen werden.

Die Rolle der Jungfrau übernahm nach dem Krieg wieder ein Mann. Der Grund war nicht, dass die Rolle zu anstrengend für eine Frau ist, wie früher behauptet wurde. Viel wichtiger ist, dass es eine alte Tradition ist, dass Männer die Jungfrau darstellen und damit bricht man in Köln so schnell nicht. Eine Quotenregelung im Dreigestirn wird es wohl nie geben.

Trotzdem änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg viel im Karneval. Die Vorherrschaft der Männer begann zu bröckeln. Die Frauen, die jetzt verstärkt in die Arbeitswelt drängten, wurden selbständiger und unabhängiger. Durch das Gesetz kam die Gleichberechtigung auf wirtschaftlichem und privatem Sektor, wenn sie sich auch nur schleppend durchsetzte. Die Selbstachtung der Frau erhielt einen gewaltigen Auftrieb. Dieses neue Selbstwertgefühl der Frau wirkte sich im Karneval als erstes auf die Weiberfastnacht aus. Die Frauen ernannten diesen Tag zu ihrem Fest, erschienen im Kostüm am Arbeitsplatz und feierten auf ihre Art.

Ende der 50er Jahre entstanden die ersten karnevalistischen Hausfrauennachmittage, die die Kölnische Rundschau bei Kaffee und Kuchen durchführte. Daraus entwickelten sich nach und nach die Mädchensitzungen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. Seit etwa 15 Jahren führen fast alle Karnevalsgesellschaften Mädchensitzungen durch. Im gleichen Maße, wie diese sich etablieren, gehen die Herrensitzungen zurück. Die traditionsbewussten Kölner Karnevalsgesellschaften, die auch heute noch keine Frauen als Mitglieder aufnehmen, stellen bei den Mädchensitzungen einen Herren-Elferrat. Die jüngeren Gesellschaften haben meist keine Probleme mit einem Damen-Elferrat, auch nicht mit einer Präsidentin bei Mädchensitzungen.

Frauen als auftretende Künstler im Karneval bürgerten sich erst nach 1949 ein. Die ersten Frauen, die im Karneval auf die Bühne gingen, kamen aus Kabarett und Varieté, es waren Grete Fluß, Kläre Schlichting, Trude Herr und Lotti Krekel, die vom Millowitsch Theater kam. Die erste Frau, die als reine Karnevalssängerin auftrat, war Carla Grassmann aus Köln-Mülheim. Die ersten Büttenrednerinnen waren Agnes Haas und Leni Hilden, als Spatz von Bickendorf. Mittlerweile haben sich Frauen auf der Bühne durchgesetzt. Stellvertretend für alle sei die Sängerin Marie-Luise Nikuta, Trägerin der Ostermann-Medaille, genannt, die seit 25 Jahren auftritt.

Auch in den Vorständen mancher Karnevalsgesellschaften finden wir heute Frauen, wenn auch mehr in den jüngeren Gesellschaften und in den Außenbezirken der Stadt. 1990 holte Gisbert Brovot zwei Frauen in den Vorstand des Festkomitees, die Dachorganisation des Kölner Karnevals, was mit Sicherheit so manchem altgedienten Karnevalisten die Sprache verschlagen hat.

Noch eine andere Männerdomäne haben die Frauen in den letzten Jahren erobert, den Rosenmontagszug. Inoffiziell gingen schon unter dem Zugleiter Peter Schumacher Frauen im Zug mit. Offiziell hat Bernd Assenmacher als Zugleiter 1979 erstmals Frauen mitgehen und mitreiten lassen. Unter ihm bekamen die Frauen auch Frauenkostüme. Vorher gingen sie in Männerkostümen mit, was sicher auch eine finanzielle Frage war.

Das Einfügen der Frauen in den Karneval hat sich kontinuierlich fortgesetzt. Schon immer haben die Frauen mitgefeiert, so wie es den jeweiligen Zeitumständen entsprach. Niemals haben Frauen für ein Recht im Karneval demonstriert. Hier einigt man sich freundschaftlich. Jeder arbeitet da, wo er gebraucht wird. So werden auch irgendwann die letzten Hürden im Karneval genommen werden, und die Frauen können Mitglied in jeder Karnevalsgesellschaft werden.

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Einer muss die Schuld tragen: Die Nubbelverbrennung

Der Nubbel hängt während der Karnevalstage über der Kneipentüre oder aus dem Fenster und hat seinen großen Auftritt am Karnevalsdienstag, wenn er unter großem Wehklagen, das mehr und mehr in wüste Beschimpfungen übergeht, zu Grabe getragen wird. Dies geschieht um Mitternacht des Karnevalsdienstags. Hat man sich vorher noch beim Kölsch bützend und schunkelnd in den Armen gelegen, wird es plötzlich still. Es wird eine Litanei auf kölsch verlesen von Abschied und Trauer und einem geliebten Menschen, dem Nubbel, der sterben muss. Klagerufe werden laut bis die Stimmung umschlägt. Jetzt wird der Nubbel beschimpft als Herumtreiber, Faulenzer und Säufer, der den Tod verdient. Plötzlich sind sich alle einig, dass er den Tod durch Verbrennen erleiden muss. Mit dem Nubbel wird symbolisch der Karneval begraben.

Nubbel ist ein kölscher Begriff, der schon vor der Jahrhundertwende im Sprachgebrauch war. Er wird benutzt, wenn man keine näheren Angaben machen kann oder will z.B. Nubbels Chris (irgendwer), dä es beim Nubbel (irgendwo), dat wor dä Nubbel (irgendwer). Die Nubbelverbrennung gibt es noch gar nicht so lange. Vorläufer des Nubbels war der Zacheies, der zum Ausklang der Kirmes verbrannt wurde. Das erste, was in Köln über die Zacheiesverbrennung bekannt ist, stammt aus dem Jahr 1913. Damals wurde seine Verbrennung anlässlich der ältesten rechtsrheinischen Kirmes. der Buchheimer Kirmes, angekündigt. Daraufhin wurde die Kirmes verboten. Erst ab 1950 gibt es eine Zacheiesverbrennung im Anschluss an die Kirmes von St. Severin. Von da hat sie sich dann verbreitet. Eine Strohpuppe wird zu Beginn der Kirmes auf dem Kirmesplatz oder vor einer Wirtschaft aufgehängt. Diese Puppe verkörpert die Kirmes. Am letzten Kirmestag wird sie verbrannt oder begraben. Dieser Zacheies wurde auch Nubbel genannt.

Den Nubbel im Zusammenhang mit dem Karneval gibt es noch nicht lange. Er muss. mit dem Ausgang des Karnevals sterben. Vielleicht stellvertretend und als Sühne für alle “Sünden”, die im Karneval begangen wurden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Franzosen Köln besetzt hatten, wurde zum Ende der Fastnacht die Zeremonie des “Begrabens” vollzogen. Sie war wohl nur eine symbolische, von einer Strohpuppe ist hierbei nicht die Rede. Es bildete sich ein Trauerzug, der mit Trompetenbegleitung durch die Straßen zog.
Aus der Literatur ist über den Brauch der Nubbelverbrennung nichts zu erfahren. James Frazer schrieb allerdings 1880 in seinem Buch “Der goldene Zweig” etwas über das Begraben des Karnevals. Laut diesem Buch gab es in den Ardennen einen Mann, der in Stroh gehüllt den Karnevalsdienstag als den letzten Tag des Karnevals verkörperte. Er wurde vor ein Scheingericht gestellt und zu Tode verurteilt. Man schoss mit Scheinpatronen auf ihn bis er zusammenbrach.

Im Mittelalter wurde am Sonntag Lätare, der “Mittfastnacht”, eine Strohpuppe herumgeführt und anschließend verbrannt. So sollte symbolisch der Winter ausgetrieben werden. Es ist anzunehmen, dass der Ursprung des Brauchs in den griechischen Mythen zu suchen ist, wo sich auch Priesterkönige zu ihrem eigenen Ruhm und zum Ruhm der Gottheit selber als öffentliches Opfer darbrachten. Heidnischer Kult ist über Jahrhunderte lebendig geblieben und lebt teilweise noch im heutigen Brauchtum fort.

So erklärt sich auch das Verbot, den Zacheies damals in Buchheim zu verbrennen. Es war ein vergeblicher Versuch, dem immer noch unausrottbaren Heidentum in der heutigen Zeit Einhalt zu gebieten.

Der Nubbel ist der Sündenbock, an dem sich die allgemeine Agressivität abreagieren kann. Die Lust zum Opfern ist b eim Menschen vorhanden, ob es nun die Leiche im Krimi ist oder die Nubbelverbrennung. Der Nubbel, der sowohl keiner wie jeder sein kann, passt hier hin. Jeder von uns könnte das Opfer sein. Darum wird das Karnevalsfeiern gegen Ende auch immer intensiver und leidenschaftlicher, denn jeder weiß, am Aschermittwoch ist alles vorbei.

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Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Seit dem 7. Jahrhundert beginnt am Aschermittwoch die Fastenzeit. An diesem Tag bekamen die Büßer Asche aufs Haupt gestreut. Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts ließen sich hauptsächlich die Priester geweihte Asche zum Zeichen des Schuldbewusstseins aufs Haupt streuen.

In vielen Kulturen gilt Asche als Symbol der Vergänglichkeit. Im Christentum wurde sie zum Zeichen der Buße, soll aber auch gleichzeitig an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern. Der Brauch, das Haupt mit Asche zu bestreuen wurde später in den Ritus des Aschenkreuzes verwandelt. Der Sinn des Aschenkreuzes ist es, dass der Mensch sich nach all dem ausgelassenen Feiern wieder auf sich selbst besinnen soll, denn mit der Fastenzeit beginnt die Zeit der Besinnung und der Vorbereitung auf das Osterfest.

Die katholischen Künstler in Köln wie Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Architekten usw. begehen am Aschermittwoch in St. Kunibert den “Aschermittwoch der Künstler” mit einem Gottesdienst, den traditionell der Erzbischof zelebriert.

Die Kölner Karnevalsgesellschaften schließen am Aschermittwoch die Session mit einem Fischessen ab. Hier lässt man bei einem gemeinsamen Kehraus die vergangenen Veranstaltungen noch einmal Revue passieren. Manche Gesellschaften begraben noch einmal intern den Nubbel, und es wird auch noch mal wehmütig, weil nun alles vorbei ist, ein Karnevalslied gesungen. Danach beginnen die Unentwegten schon wieder Pläne für die neue Session zu schmieden, während die anderen nur auf den anschließenden Erholungsurlaub vom Karneval warten. Viele Gesellschaften sind dazu übergegangen, das Fischessen auf das Wochenende zu verlegen, damit die Mitglieder sich erst einmal ausschlafen können, denn abgekämpft ist jeder am Aschermittwoch von den “Strapazen” der Session.

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210 Kommentare zu “Kleine Karnevalsgeschichte

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